Der Blick über den Tellerrand


von Bernhard Ott

Sein Argument: „Ich habe noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!“ Unheiliges und Unreines heisst im Klartext: Das stand die letzten 1000 Jahre nicht auf dem Speisezettel der Juden. Das ist Food von einem anderen Teller. Das ist „Heiden“-Food.

Gott lädt Petrus ein, über den Tellerrand hinaus zu schauen – aber Petrus stellt sich quer. Dabei ist das heidnische Menu, dass Gott ihm serviert, erst die Vorspeise. Eigentlich will Gott ja, dass er über seinen jüdischen Tellerrand hinaus springt – und bei den Heiden landet.

Das alles kann man im 10. Kapitel der Apostelgeschichte nachlesen. Eigentlich muss man schon beim letzten Vers des 9. Kapitels beginnen. Dort berichtet Lukas: „Petrus blieb noch längere Zeit in Joppe.“ Er bleibt also nicht nur gerne beim gewohnten Speisezettel, er ist überhaupt ein „Bleiber“. Was hat er im Rahmen seiner jüdischen Gemeinschaft nicht alles erlebt: Menschen kommen zum Glauben, Zeichen und Wunder geschehen. Aber alles zuhause. Innerhalb der bekannten Glaubensfamilie.

Gott hat aber noch anderes vor. Ihn interessieren nicht nur die Menschen innerhalb der frommen Gemeinschaft. Ihn interessieren ganz besonders diejenigen ausserhalb. Das sind auch seine Menschen, die er liebt, und denen er seine Liebe zeigen will. Eigentlich hat er die Frommen ausgesandt, um alle Menschen auf der Welt mit Jesus bekannt zu machen. Aber das funktioniert natürlich nicht, wenn die Frommen zuhause „bleiben“, und von ihrem gewohnten Speisezettel nicht abrücken wollen.

Gott ist kreativ. Wenn der Petrus trotz Vorspeise nicht auf die Idee kommt, sich über den Rand seines frommen Tellers hinaus zu bewegen – ja, dann muss Gott wohl einen „Heiden“ schicken, um den Petrus abzuholen. Und tatsächlich: Während Petrus noch darüber sinniert, wie er wohl die Vorspeise deuten soll, die Gott ihm da vorgesetzt hat, klingelt es unten an der Türe und er wird zum Hauptgang eingeladen. Es ist der Gang zum heidnischen Hauptmann Kornelius. Der wartet eigentlich schon lange darauf, mehr über Jesus zu erfahren, nur hat bisher keiner der Jesus-Leute über den Tellerrand hinaus geschaut.

Jetzt „checked“ es Petrus – und wird Zeuge davon, dass Gott bereits jenseits des Tellerrandes am Werk ist, bevor er auch nur auf die Idee gekommen ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Gott scheint kein Problem zu haben, über den Tellerrand der Frommen hinaus zu gehen, zu denen, die ihn noch nicht kennen. Nur die Jesus-Leute scheinen manchmal etwas begriffsstutzig zu sein.

Ja, so war das vor 2000 Jahren - aber heute ist ja gottseidank alles ganz anders…

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