Eine Beziehung in der Balance

Kolumne


von Basil Höneisen

„In den Kolumnen erzählst du vom Gebet und dessen Wirkung. Dazu fällt mir ein, dass es eigentlich so natürlich wie das Atmen sein sollte. Im Alltagstrott geht es aber oft unter! Schnell vergesse ich, um Beistand für die Tochter zu beten. Oder mir fehlt der Mut, meinen Vater während des Heimbesuchs zu fragen, ob ich für ihn beten solle. Kürzlich habe ich jedoch etwas erlebt, das mich neu zum beten ermutigt hat: Ich führe ein Einrahmungsatelier. Im Regal lagen keine Bilder, die zum Abholen bereit gewesen wären, und seit Tagen waren keine Kunden vorbeigekommen. Innerlich seufzte ich: „Ach Herr, schicke mir doch Kundschaft, ich möchte Arbeit!" Wenn ich ehrlich bin, dachte ich nur an den Umsatz, und den zufriedenen Kunden – statt Gott setzte ich meine eigenen Wünsche ins Zentrum. Trotzdem: Am Nachmittag kam ein grosser Auftrag. Ist das nicht Gottes Gnade? Mit diesen Zeilen möchte ich anmerken, dass es sich lohnt, zu beten. Machen wir uns bewusst, wie grosszügig, liebevoll und vertrauenswürdig Gott ist. Wenn wir vermeintliche Sicherheiten loslassen, fallen wir nie tiefer als in Gottes Hand.“

Wir sind Gott nicht egal. Unsere Anliegen sind Gott nicht egal. Unsere Wünsche sind Gott nicht egal. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir, mit der richtigen Herzenseinstellung, Gott um alles bitten dürfen. Ja, ich gebe es ja zu: Ich bete auch für den Sieg meines Unihockey-Teams während eines Spiels. Na und? Gott entscheidet. Es kommt darauf an, wie ich mich in die Beziehung zu ihm investiere. Ist Gott für mich ein Wunschautomat? Darauf lässt er sich wohl kaum ein. Fordere ich nur? Das funktioniert ja nicht mal bei menschlichen Beziehungen. Gott sind unsere Anliegen nicht egal. Aber ihm ist auch nicht egal, was wir denken, wie wir reden und handeln. Eine Beziehung beruht bekanntlich auf Gegenseitigkeit. Es schadet nicht, sich diesen Fakt wieder einmal bewusst zu machen.

Ich schreibe dies, da mir in den letzten Wochen alles in den Schoss gefallen ist, was ich mir nur vorstellen konnte: ein guter Studienabschluss, eine neue Wohnung, ein neuer Job und eine grandiose Hochzeit! Allmählich fragte ich mich,  wie ich das alles verdient haben könnte. Wie? Gar nicht. Es war reine Gnade! Würde man die Beziehung der letzten Zeit zwischen mir und Gott auf eine Waage legen – auf der einen Seite meine Zeit für ihn, auf der anderen die seine für mich – wäre das ungefähr so, als müsste man eine Feder und einen Stein in die Balance bringen! Natürlich geht es nicht darum, sich mit guten Taten Ruhm bei Gott zu verschaffen. Das wissen wir. Trotzdem sucht Gott mit uns eine Beziehung. Damit wir persönliche Geschichten mit ihm erleben. Lasst uns darin investieren!

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben