Leben im Bund(t)

Zum Thema


von Bernhard Ott
ETG Basel

Sind die ETG eine Vereinigung, eine Arbeitsgemeinschaft, ein Verband oder ein Netzwerk? Sie sind ein Bund! Dafür gibt es gute Gründe. Vereinigungen und Verbände, Arbeitsgemeinschaften und Netzwerke sind menschliche Organisationen, die einem Zweck dienen. Die meisten dieser Organisationsformen haben ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert und sind Ausdruck einer Kultur, in der sich freie Individuen zu allen möglichen Zwecken freiwillig zusammenschliessen können. Auch die ETG-Gemeinden sind als Vereine konstituiert. Daran ist nichts falsch – aber für die christliche Gemeinde ist das zu wenig. „Bund“ ist mehr!

„Bund“ ist ein biblischer Begriff. „Bund“ hat theologisches Gewicht, nicht nur organisatorisches. Die Idee des Bundes ist Teil von Gottes Projekt, diese Welt wieder ins Lot zu bringen. Dabei geht es immer um die Wiederherstellung zerbrochener Beziehungen. Der Bund begründet Gemeinschaft – zwischen Gott und den Menschen und zwischen Menschen. Ein Bund im biblischen Sinn ist deshalb keine menschliche Organisation, sondern eine göttliche Einrichtung.

Es gibt in der Bibel eine Sprache des Bundes. Sie klingt so: „Die Liebe Gottes hat kein Ende. Sein Erbarmen hört niemals auf. Seine Treue gilt jeden Morgen neu“ (Klagelieder 3,22-23).

Der Bund ist in Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Treue begründet. In Jesus Christus hat Gott seine Bundestreue zu den Menschen ein für alle Mal fest gemacht (Römerbrief). Dieser Bund ist nicht nur eine Sache zwischen Gott und einzelnen Menschen; Gott schafft sich durch seinen Bund ein Bundesvolk, eine Gemeinschaft von Menschen, die auch untereinander Bundesbeziehungen leben: Liebe, Barmherzigkeit, Treue.

Wer in der Bundesgemeinschaft Gottes lebt, hat einen Schatz entdeckt: Ein Gott, der seine Liebe, seine Barmherzigkeit und seine Treue zusichert und eine Gemeinschaft, in der diese Werte Raum gewinnen. So entsteht ein Lebensraum des Vertrauens und der Verlässlichkeit. Christsein bedeutet, in diesem Raum des Bundes zu leben.

Bundesgemeinschaft kann auf verschiedenen Ebenen gelebt werden. Als Faustregel kann man sagen: Jeder Christ gehört in eine Kleingruppe hinein, eine Art Mini-Bundesgemeinschaft, in der Liebe, Barmherzigkeit und Treue eingeübt werden (Jüngerschaft). Jede Kleingruppe gehört in eine lokale Gemeinde hinein. Jede Gemeinde gehört in ein Netzwerk von Gemeinden hinein. Jeder Gemeindeverband versteht sich als Teil des grösseren Ganzen der Gemeinde von Jesus. Auf allen Ebenen leben und erleben wir die Qualitäten des göttlichen Bundes: Liebe und Barmherzigkeit, Treue und Wahrhaftigkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit. In diesem Lebensraum können wir aufblühen.

Deshalb nennen wir uns nicht einfach Vereinigung, Arbeitsgemeinschaft oder Netzwerk, sondern „Bund“.

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