Magenschleimhaut-Entzündung

Kolumne


von Basil Höneisen

Würdest du an die Gemeinde appellieren? An die Leitung? An die frisch Getauften? Oder würdest du den Platz zur Selbsttherapie nutzen? Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Bei dieser Kolumne geht es nicht in erster Linie darum, christliches Gedankengut im Sinne einer Minipredigt zu verbreiten. Vielmehr wird ein bestimmtes Thema mit persönlicher Erfahrung oder Meinung aufgearbeitet. Ziel ist es, alltägliche Situationen, Kontroversen oder Problemstellungen aufzugreifen und dann ein  Fazit daraus zu ziehen – das kann allgemein gültig sein oder nicht. Im besten Fall wagt der Text einen kurzen Blick über den Tellerrand und regt zum Denken an. Und Denken ist seit Menschengedenken ein guter Ratschlag.

Ins Grübeln kam kürzlich auch ein Freund von mir, der Jesus nicht kennt. Aufgrund starker Bauchschmerzen konnte er nicht zur Arbeit gehen. „Kann es ja mal geben“, sagte er sich, und blieb zu Hause. Doch als es nach drei Tagen nicht besserte, suchte er Rat bei seinem Arzt. „Magenschleimhaut-Entzündung“ lautete die Diagnose, und es wurde ihm geraten, ein paar Medikamente zu nehmen und weiterhin nicht zu arbeiten. Dann werde es von alleine wieder besser. Gehorsam befolgte der junge Mann die Anweisungen. Die Besserung blieb allerdings aus. Stattdessen litt er nachts Schmerzen, wie er sie in seinem ganzen Leben noch nie gehabt hatte. Einige Nächte lang war es so schlimm, dass er nur dank einem heissen Bad und starken Medikamenten ein bis zwei Stunden Schlaf fand. Als ich meinen Freund nach dem Grund seiner Abwesenheit im Training fragte, erzählte er mir von seinem Leiden. „Ich kann nicht mehr“, sagte er den Tränen nahe (und dieser Typ ist wirklich alles andere als ein Weichei). Ich erschrak, als ich ihn besuchte. Er erinnerte mich an eine wandelnde Leiche, die es nach drei Wochen aus dem Grab geschafft hatte. „Morgen habe ich einen Termin im Krankenhaus.“ Obwohl mich das viel Überwindung kostete, fragte ich ihn, ob ich für ihn beten dürfe. Er nickte und meinte, er habe ja nichts zu verlieren.

Das Gebet war unspektakulär. Kein Engel schwebte vorbei, kein Blitz kam durchs Fenster und verbannte das Leiden. Im Gegenteil, nach dem Amen waren die Schmerzen immer noch da. Etwas frustriert ging ich nach Hause. Am nächsten Tag schrieb ich meinem Freund eine SMS mit der Frage, wie es ihm gehe. „Die Magenspiegelung hat nichts ergeben. Die Schmerzen sind weg. Dein Gebet hat gewirkt.“ Vom einen auf den anderen Tag ging es ihm wieder gut – nach über zwei schmerzerfüllten Wochen ohne richtige Diagnose. Danke, Herr! Diese Heilung beschäftigt meinen Freund. Er macht sich Gedanken über das, was passiert ist. Und ich mache mir Gedanken, warum mich mein Gebets-Angebot so viel Überwindung gekostet hat. Gott schaffte es mit einer Situation, zwei komplett verschiedene Menschen zu berühren, die sich an total unterschiedlichen Punkten im Leben befinden.

Dieses und ähnliche Erlebnisse haben zum Beispiel Platz in dieser Kolumne. Wenn auch du etwas erlebt hast, das du schon lange mal mitteilen wolltest: Schreib eine Email an b.hoeneisen@gmx.ch.

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