Geschichte - Vorwort

Im 19. Jahrhundert brach in manchen Teilen Europas eine geistliche Erneuerung auf, die man rückblickend die Erweckungsbewegung nennt. Samuel Heinrich Fröhlich, ein reformierter Pfarrer aus dem Kanton Aargau, war einer jener Erweckungsprediger. Er war in den 1830 Jahren Pfarrverweser in Leutwil (AG). Aufgrund seiner erwecklichen Verkündigung kam es aber zum Bruch mit der Landeskirche. In Leutwil entstand in der Folge 1832 die erste freikirchliche Gemeinschaft unter der Leitung Fröhlichs.

In seinem Kopf und Herz waren Ansichten über Christsein und Kirche gewachsen, die dem alten Täufertum ganz ähnlich waren: Menschen sollten zur Umkehr und zum persönlichen Glauben gerufen werden. Wer glaubt und es in freier Entscheidung wünscht, soll getauft werden. Die Gemeinde soll aus glaubenden und getauften Menschen bestehen und vom Staat unabhängig sein.

So suchte Fröhlich Kontakt mit den Alttäufern (Mennoniten) im Emmental. Dort wurde er offen aufgenommen und förderte mit seiner Verkündigung den erwecklichen Geist, der sich dort bereits breit machte.

In der Folge kam es aber nicht zu einer festen Verbindung von Fröhlich mit den Alttäufern. Seine missionarische Tätigkeit verlagerte sich in den Kanton Zürich und in die Ostschweiz, später auch ins Elsass, nach Baden und Württemberg. Fröhlich verstand sich aber hinfort immer als Täufer. Die von ihm gegründeten freikirchlichen Gemeinschaften nannte er „Evangelisch Taufgesinnte“.

In der Emmentaler Alttäufergemeinde gärte es aber nach Fröhlichs Abreise. Die erweckliche Gruppe drängte auf eine umfassende Erneuerung der alten Täufergemeinde. Schliesslich kam es soweit, dass ein Teil der Mitglieder der Langnauer Alttäufergemeinde auf Gibel ob Bärau eine neue Täufergemeinde gründete. Das geschah 1834. Seither gibt es im Emmental die Alttäufergemeinde und die sogenannte Neutäufergemeinde.
Die von Fröhlich begründete freikirchliche Bewegung entwickelte sich in der Folge zu einem Netzwerk von Gemeinschaften in der Schweiz, im Elsass und in Deutschland, später auch in Osteuropa und Nordamerika.

Die neutäuferische Bewegung blieb vor manchen Irrwegen nicht verschont. Gesetzlichkeit und Absonderung führten diese kleine Freikirche in zunehmende Isolierung von den anderen Kirchen und Gemeinschaften. Dazu kamen interne Konflikte, die schliesslich kurz nach 1900 zu einer weiteren Trennung führten. Daraus hervor ging eine konservative, separatistische Richtung, sowie eine sich zunehmend öffnende, evangelische Freikirche.
Die geschlossene Gruppe trägt heute noch den Nahmen „Evangelisch Taufgesinnte“. Sie pflegt keinen Kontakt zu anderen Kirchen und lebt ihren Glauben nach strikten Regeln in Abgeschiedenheit.

Die Gemeinden der offenen Richtung haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer evangelischen Freikirche entwickelt, die Rahmen des Evangelischen Allianz und des Verbandes Evangelischer Freikirchen und Gemeinschaften mitwirkt.
Seit 1984 sind diese Gemeinden im Bund der Evangelischen Täufergemeinden zusammengefasst. Dieser Umfasst in der Schweiz und in Süddeutschland 28 Gemeinden mit ca. 2500 Mitgliedern. Die Evangelischen Täufergemeinden verstehen sich als Teil der Täuferbewegung.

Bernhard Ott 

Die Geschichte der ETG von Albert Märki, sowie das Buch "Missionarische Gemeinde werden" von Berhard Ott können unter Publikationen bestellt werden.

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