IV. Der Weg unserer Gemeinschaft seit dem 2. Weltkrieg

1. Veränderungen

Fünfeinhalb Jahre hat der Zweite Weltkrieg gedauert, der heftigste, grösste und mörderischste aller bisherigen Kriege. 55 Millionen Menschen haben den Tod gefunden; Familien sind auseinandergerissen und unzählige Dörfer und Städte zerstört worden.

Nicht nur sind menschliche Siedlungen dem Erdboden gleich gemacht worden, auch die Moral hat gelitten.

Unter dem Schrecken des Krieges hat sich auch das geistige Umfeld geändert. Neue philosophische Richtungen sind entstanden, welche den christlichen Glauben bedrohen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben in unseren Gemeinden Veränderungen stattgefunden:

  1. Während der Kriegsjahre konnten die internationalen Kontakte unter den Gemeinden nicht mehr aufrecht erhalten werden.
    Der weltweite Zusammenhang ist lockerer geworden. man kann nicht mehr von einer weltweiten Übereinstimmung in allen wichtigen Fragen des Glaubens sprechen.
    Dagegen ist eine Öffnung zu anderen christlichen Denominationen festzustellen.
  2. Neue Tätigkeitsbereiche wie Jugendbetreuung, Evangelisation und Mission sind entstanden.
  3. Der Wortverkündigung wird mehr Gewicht beigemessen als bisher. Durch Schulungskurse versucht man das Niveau der Verkündigung zu heben.
  4. In grösseren Gemeinden werden Geschwister zur Besorgung wichtiger Aufgaben vollamtlich angestellt. Theologisch ausgebildete Lehrer werden für wichtige Aufgaben herangezogen.
  5. In Westeuropa haben sich unsere Gemeinden zu einem Bund zusammengeschlossen.

Die folgende Darstellung der Entwicklung unserer Denomination in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert sich hauptsächlich auf die westeuropäischen Gemeinden.

2. Das Flüchtlingselend

In Jugoslawien herrschte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges ein grausamer Bürgerkrieg. Die Partisanen von Tito bekämpften die deutschen Besetzer und die mit ihnen verbundenen Tschetniks.

Als die Sowjetunion und ihre Verbündeten in Jugoslawien einbrachen, versuchte die deutsche Besetzungsmacht im Herbst 1944 die sogenannten Volksdeutschen zu evakuieren. (Die Volksdeutschen sind Nachkommen von jenen Deutschen, die vor 200 Jahren im Gebiet von Jugoslawien von der österreichisch-ungarischen Monarchie angesiedelt wurden, um die Grenzen gegen die Türken zu sichern).

180'000 Personen flohen nach dem Westen. Vor dem Krieg lebten 650'000 Volksdeutsche in Jugoslawien.

Mit diesem Strom von Flüchtlingen kamen auch einige Hundert "Nazarener" mit Kindern und Enkelkindern nach Österreich und Deutschland. Die Serben und Partisanen verfolgten Volksdeutsche, die nicht rechtzeitig das Land verlassen konnten. Sie wurden in Lager eingewiesen, wo sie Hunger und andere Qualen erdulden mussten. Viele sind in diesen Lagern gestorben.

In Österreich füllten sich die Flüchtlingslager. Die "HILFE" versuchte mit allen Mitteln, Verbindung mit unseren geflüchteten Glaubensgenossen aufzunehmen. Auch Radio und Presse wurden in diese Suchaktion eingeschaltet. Folgender Aufruf wurde durch das Radio und die Presse weitergegeben:

"Der Delegierte der Genossenschaft "HILFE" in Zürich, Paul Kambly, ersucht die aus Jugoslawien, Banat und Bacska nach Österreich geflüchteten deutschsprachigen "Nazarener" dringend, ihm ihre Adressen schriftlich bekanntzugeben. Die Genossenschaft "HILFE" in Zürich wird alles unternehmen, um mit Kleidern und Lebensmitteln die Lage der Geflüchteten zu erleichtern." Viele meldeten sich, und so konnte unseren jugoslawischen Glaubensgeschwistern in Österreich geholfen werden. Grosse Sendungen an Kleidern und Lebensmitteln wurden von unseren schweizerischen Gemeinden nach Österreich befördert.

Im Versammlungshaus in Wien wurden manche Flüchtlinge aufgenommen und versorgt, bis sie weiterzogen. Viele von ihnen wanderten nach den USA, Kanada und Australien aus.

In Österreich fanden zahlreiche Glaubensgeschwister vorübergehend in der Barackensiedlung "Friedheim" in Salzburg Obdach. In Linz, Wels und Lambach entstanden neue Gemeinden. In der Steiermark versammelten sich die Flüchtlingsgeschwister vor allem in Graz.

In Deutschland nahmen sich unsere ansässigen Geschwister den Flüchtlingen an und versuchten, ihnen vorübergehend eine Heimat zu bieten.

Die "HILFE" half mancher Flüchtlingsfamilie durch ein Baudarlehen, damit sie in Deutschland oder Österreich ein Haus bauen konnte. In der Zeit von 1949 bis 1960 wurden über 150 Baudarlehen gewährt.

Zwei jüngere Brüder aus der Schweiz, Paul Kaltbrunner und Albert Märki, reisten im Auftrag der "HILFE" im Jahre 1951 nach den USA, um unsere Geschwister dort über die Lage der Flüchtlinge in Deutschland und Österreich zu orientieren. Die amerikanischen Geschwister unterstützten sofort in grosszügiger Weise die Genossenschaft "HILFE". So konnte vielen dabei geholfen werden, eine neue Existenz aufzubauen.

3. Evangelisation

a) Neubeginn

Der Verkündigung des Evangeliums ausserhalb der Grenzen unserer Gemeinden stand man bis zum 2. Weltkrieg sehr skeptisch, ja ablehnend, gegenüber.

An der Brüderversammlung vom 18. März 1939, also einige Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde auch die Evangelisationsfrage angesprochen.

Man war der Meinung, die wirksamste Evangelisation sei das Zeugnis einer lebendigen Gemeinde und der vorbildliche Wandel der Gemeindeglieder. Man müsse sich vor menschlicher Betriebsamkeit hüten.

Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich diese Ansicht. Anlass dazu gaben amerikanische Brüder. Diese beauftragten nämlich im Jahre 1949 die Brüder Paul Kaltbrunner, Schweiz, und Paul Schiler, Deutschland, im durch den Krieg arg zerstörten Deutschland evangelistisch tätig zu sein.

Unsere Gemeinden in den USA haben an etwa 5000 Adressen in Deutschland Liebesgabenpakete gesandt. Nun wurden die beiden Brüder gebeten, den Empfängern der Liebesgabenpakete auch das Evangelium zu bringen.

Im Jahre 1951 baten die Geschwister aus den USA die Geschwister in der Schweiz, sie möchten die Finanzierung der Auslagen der beiden Evangelisten übernehmen und ihnen auch in geistlicher Hinsicht beistehen.

Am 29.12.1951 versammelten sich die Ältesten und Lehrbrüder, um die Bitte der amerikanischen Geschwister zur Übernahme der Verantwortung für die in Deutschland evangelistisch tätigen Brüder zu besprechen. Alle Anwesenden stimmten der Unterstützung der beiden Evangelisten zu. Das im Jahre 1949 gebildete Evangelisationskomitee sollte für diese Aufgabe herangezogen werden.

Nun waren unsere Gemeinden mit der Frage der Evangelisation grundsätzlich konfrontiert. Sollten neben den erwähnten Evangelisten weitere Brüder für die Evangelisationsarbeit vollamtlich herangezogen werden? Wie sollten in Zukunft unsere Gemeinden evangelisieren?
Im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung der Evangelisationsarbeit wurden die Aufgaben des Evangelisationskomitees neu umschrieben. Hier die wichtigsten Punkte.

  1. Planung der Evangelisationstätigkeit und Überwachung derselben.
  2. Anstellung von Evangelisten.
  3. Ausbildung zur Evangelisationsarbeit.
  4. Entscheidung über die zur Verteilung gelangende Literatur.

Weitere Punkte befassten sich mit finanziellen Fragen.
Die Anwesenden unterstützten die Öffnung unserer Gemeinden für evangelistische Tätigkeiten. Der Vorsitzende der Konferenz erklärte abschliessend, dass sich nun die Gemeinden der Schweiz entschieden hätten, in bescheidenem Rahmen den Mitmenschen durch die Evangelisation zu dienen. Wenn diese Tätigkeit mit Ernst und Liebe ausgeführt werde, könne eine segensreiche Rückwirkung auf unsere Gemeinden nicht ausbleiben.

b) Flüchtlingsgemeinden

Bald entstand ein grosser Bedarf an Predigern, welche bereit waren, in Flüchtlingslagern und neu gebildeten Gemeinden zu evangelisieren. Grosse Flüchtlingslager bestanden in Österreich und Deutschland. Unsere Geschwister, welche sich in diesen Lagern befanden, mussten mit dem Wort Gottes versorgt werden. Viele Gottesdienste wurden von schweizerischen und süddeutschen Brüdern in diesen Lagern gehalten, wobei nicht nur unsere Geschwister eingeladen, sondern auch interessierte Insassen zur Teilnahme am Gottesdienst ermuntert wurden.

Später versammelten sich die Flüchtlingsgeschwister, welche nicht nach Übersee weitergereist waren, an ihren neuen Wohnorten, in Wohnstuben oder gemieteten Sälen. Die "HILFE" unterstützte die neu zugezogenen Flüchtlingsgeschwister beim Bau von eigenen Versammlungshäusern oder bei der Miete geeigneter Lokale.

In Deutschland entstand damals eine Anzahl neuer Gemeinden, so z.B. in Balingen, Breidenbach, Kolbermoor/Schlarbhofen, Laichingen, Lauffen am Neckar, Ludwigshafen-Oggersheim (heute Offstein), Reutlingen, Schwenningen/Tuttlingen (heute Spaichingen).

In Österreich entstanden folgende Gemeinden neu: Graz, Hallein-Rif, Linz.

Diese neu gegründeten Gemeinden bedurften neben der materiellen Hilfe auch tatkräftige geistliche Unterstützung, die ihnen von deutschen und schweizerischen Brüdern gewährt wurde. Für manchen unserer Brüder war es ein tiefes Erlebnis unter Flüchtlingen, die alles verloren hatten, das Evangelium der Liebe zu verkünden.

Das Bewusstsein, dass die Gemeinde den Auftrag hat, Aussenstehenden das Evangelium zu bringen, blieb lebendig.

c) Neue Gemeinde in Schweden

Im Herbst 1963 haben jugoslawische Flüchtlingsgeschwister in Schweden begonnen, sich regelmässig zum Gottesdienst zu versammeln.

Dem Wunsch der Geschwister entsprechend erklärten sich zwei Älteste aus der Schweiz bereit, beim Aufbau einer neuen Gemeinde mitzuhelfen.

Die Zahl der Versammlungsbesucher stieg. Finanzielle Beiträge der "HILFE" und die Mithilfe von freiwilligen Einsatzgruppen aus Deutschland und der Schweiz ermöglichten 1971 in Oerkelljunga (Südschweden) ein Versammlungshaus zu erstellen.

Heute dienen die neuen Räumlichkeiten der örtlichen Gemeinde und einer christlichen Schule mit etwa 100 Kindern.

d) Grossevangelisationen

An verschiedenen Orten versuchten unsere Gemeinden evangelistisch tätig zu sein; es zeigte sich aber bald, dass es nicht leicht ist, als Einzelgemeinde an die Öffentlichkeit zu treten, um zu evangelisieren. Am erfolgreichsten waren die Gemeinden, bei welchen die Gemeindeglieder persönlich zum Gottesdienst einluden. Die Organisation von besonderen Gästesonntagen war eine geeignete Massnahme, um Aussenstehende mit unseren Gemeinden und ihrer Botschaft bekannt zu machen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen Grossevangelisationen auf. Am bekanntesten waren die Evangelisationen von Billy Graham und des Janz-Teams. Auch die Zeltevangelisation von Gerhard Bergmann und anderen Evangelisten fanden ein grosses Echo. Diese Evangelisten arbeiteten mit den evangelischen Gemeinden der Orte zusammen, an welchen die Evangelisation stattfand. Auch unsere Gemeinden wurden gebeten, mitzuhelfen. Anfänglich distanzierten sie sich von der Mitarbeit. Doch allmählich erkannte man die segensreichen Auswirkungen dieser Art von Wortverkündigung, und mit der Zeit wurde die Schwellenangst überwunden.

Heute arbeiten viele Geschwister unserer Gemeinden regelmässig an örtlichen und regionalen evangelistischen Anlässen mit. Grosser Wert wird wieder vermehrt auf persönliche Beziehungen zu Menschen, die Gott fernstehen, gelegt. Sie sollen durch das Zeugnis in Wort und Tat zu Jesus Christus hingeführt werden.

e) "FreuetEuch"

An der Generalversammlung der "HILFE" im Herbst 1949 wurde auf Anregung von zwei Versammlungsteilnehmern beschlossen, eine Zweimonatszeitschrift für unsere Gemeinden herauszugeben. Sie sollte unter dem Namen "Freuet Euch" mit dem Zusatz "Zweimonatszeitschrift zur Erweckung und Förderung des inneren Lebens in Christo" erscheinen.

Die erste Nummer wurde an Weihnachten 1949 herausgegeben. Neben Artikeln, die der Vertiefung des Glaubens dienten, erschienen wichtige Mitteilungen der einzelnen Taufgesinnten-Gemeinden.

Heute dient die Zeitschrift vor allem als Publikationsorgan des Bundes ETG und des Evangelischen Missionsdienstes.

4. Mission

Unter Mission wird die Ausbreitung des Evangeliums in Gebieten, deren Bewohner nicht christlich sind, verstanden.

Für unsere Gemeinden gibt es zwei Möglichkeiten, die Mission zu fördern. Man kann Missionare in ihrer Tätigkeit unterstützen oder eigene Missionsstationen in nicht christlichen Gebieten errichten.

a) Evangelischer Missionsdienst (EMD)

Die Tatsache, dass die Gemeinden in der Schweiz und Deutschland die Mission auf keine Weise förderten, beunruhigte die Geschwister der Gemeinde Basel in zunehmendem Masse. Sie empfanden, dass man in dieser Frage das Wort Gottes zu wenig beachte. Sie suchten Wege, um der biblischen Aufforderung, den Nichtchristen das Evangelium zu bringen, nachzukommen.

Die Gemeinde Basel wählte im Jahre 1955 ein fünfköpfiges Komitee, welches in Zukunft verantwortlich für die Förderung der Missionstätigkeit sein sollte. Man wollte keine eigene Missionsstation in einem nicht christlichen Lande betreiben, sondern lediglich Missionare, deren Glaubensgrundsätze und Auffassungen sich mit denjenigen unserer Denomination decken, unterstützen.

Im Januar 1956 wurde erstmals die Verantwortung zur Unterstützung einer Missionarin übernommen.

An der Ältesten- und Lehrbrüderzusammenkunft vom 23. Februar 1957 diskutierten 68 Lehrbrüder und Älteste aus der Schweiz und Deutschland eingehend über die Fragen der Mission und über das Vorgehen der Basler Gemeinde.

Grundsätzlich anerkannte man die biblische Aufforderung zur missionarischen Tätigkeit. Über die Art der Durchführung war man sich nicht einig. Man befürchtete, unsere Gemeinden würden überfordert. Andere Stimmen meinten, die Zusammenarbeit mit anderen Denominationen auf dem Missionsfeld könnte zu unliebsamen theologischen Auseinandersetzungen führen.

Am 3. Oktober 1959 wurde unter dem Namen "Evangelischer Missionsdienst" mit Sitz in Basel ein Verein gemäss Art. 60ff des Schweizerischen Zivilgesetzbuches gegründet. Der erste Vorstand setzte sich aus den Brüdern Otto Kramer, Paul Zahner und Walter Meier zusammen.

In den revidierten Statuten vom 4. April 1993 wird der Vereinszweck wie folgt umschrieben:

"Der Evangelische Missionsdienst (EMD) ist ein Verein zur Förderung der christlichen Missionsarbeit. Unter Mission versteht er die dem Vorbild Jesu und der Apostel entsprechende, kulturbezogene Ausbreitung des Evangeliums. Dazu gehören christliche Lehre und praktische Lebenshilfe in Bereichen der Alphabetisierung, der Berufsausbildung, der Entwicklungs- und Sozialhilfe sowie des Gesundheitswesens. Dieses Ziel soll erreicht werden durch das Aussenden und Unterstützen von entsprechend ausgebildetem Personal und durch die Finanzierung von Projekten."

Der "Evangelische Missionsdienst" hat seit seinem Bestehen eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Unsere Gemeinden wurden der Verantwortung bewusst, welche sie gegenüber dem Missionsbefehl unseres himmlischen Herrn haben. Die Spenden werden für Missionare verwendet, welche das Evangelium in seiner vollen Wahrheit verbreiten.

Junge Gemeindeglieder werden für einen persönlichen Einsatz auf einem Missionfeld motiviert und können sich durch den Evangelischen Missionsdienst beraten lassen.

Der EMD gibt an seiner jährlichen Generalversammlung Auskunft über die Verwendung der eingenommenen Gelder und über die Förderung der Missionstätigkeit. Im Jahre 1992 wurden 100 Missionare und Projekte von verschiedenen Missionsgebieten unterstützt.

Am 8. September 1963 wurde in Deutschland der EMD Stuttgart, heute EMD Ludwigsburg, gegründet. Er nimmt das Missionsanliegen in den Gemeinden in Deutschland und Österreich wahr. Der EMD Basel ist für die Gemeinden in Frankreich und der Schweiz zuständig. Beide Werke sind eng miteinander verbunden.

Als Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen der Schweiz" (AEM) arbeitet der EMD Basel heute mit vielen bekannten Missionsgesellschaften zusammen. Die meisten Missionare, die der EMD unterstützt, werden an diese Gesellschaften ausgeliehen. Ihr Einsatz geschieht unter der Verantwortung der jeweiligen Feldleitung. Ausnahmen bilden die Missionen in Tansania, Papua Neu Guinea und Ghana, wo im Rahmen der neu entstandenen Täufergemeinden gearbeitet wird. Diese Missionsarbeit wird in den nachfolgenden Punkten b - d noch ausführlicher beschrieben.

In Argentinien geschieht die Arbeit innerhalb der dortigen Täufergemeinden, die durch Einwanderung entstanden sind und sich inzwischen stark vermehrt haben.

Heute gewinnt der Gedanke zunehmend an Bedeutung, dass Mission in der unmittelbaren europäischen Umgebung mit dem Ziel erfolgen sollte, auch hier neue Gemeinden zu gründen und aufzubauen.

Eine umfassende Schrift mit dem Arbeitstitel "Missionsgeschichte der ETG" ist zur Zeit in Vorbereitung.

b) Mission in Tansania - Mbalezi Evangelistic Church

Fritz Lehner, Gränichen, von Beruf Möbelschreiner, erhielt am Sylvesterabend 1947 den Ruf von Gott, ihm in der Mission zu dienen. Im Jahre 1950 reiste er mit seiner Gattin Myrtha und seinen zwei kleinen Kindern nach Tansania.

Hier arbeitete er 4 Jahre mit einer Missionsgesellschaft zusammen. Nach dieser Zeit kehrte er mit seiner Familie, die durch 3 weitere Kinder gesegnet worden war, in die Schweiz zurück.

Fritz dachte nicht daran, wieder nach Afrika auszureisen. Gott liess ihm aber keine Ruhe, und so kehrte er 1956 allein nach Tansania zurück; nach einigen Monaten liess er seine Familie nachkommen. Vor seiner zweiten Ausreise schloss er sich der Evangelischen Täufergemeinde Basel an.

In Mbalezi konnte er von einem Inder 120 a Pachtland kaufen, auf welchem eine stillgelegte Seifenfabrik stand. Das Gelände liegt verkehrsgünstig an der Hauptstrasse Kairo - Kapstadt und ist nur 12 Kilometer von der Provinzhauptstadt Mbeya entfernt.

Fritz Lehner brachte den Bewohnern nicht nur die Gute Nachricht Gottes, sondern baute auch eine Schreinerschule auf, die unter der schwarzen Bevölkerung grossen Anklang fand.

1980 erhielt das Missionswerk den Status einer autonomen, vom Staate anerkannten christlichen Gemeinde.

Aus dem kleinen Dorf Mbalezi rund um die Station ist mit der Zeit eine Stadt mit über 10'000 Einwohnern entstanden.

1970 trat Markus, der Sohn der Eltern Lehner, mit seiner Frau Hanni in den missionarischen Dienst. Mit jugendlicher Tatkraft förderten sie das wachsende Werk, das die Eltern begonnen hatten.

Durch die evangelistische Tätigkeit der Missionare, die Sonntag für Sonntag die frohe Botschaft verkündigten, zum Teil unterstützt von einem Posaunenchor, entstanden im Laufe der Jahre im weiten Umkreis von 200 km gegen 100 christliche Gemeinden, die von ansässigen Leitern und Evangelisten betreut werden.

Viele der neu entstandenen Gemeinden sind nun selbst evangelistisch tätig. In Mbalezi befindet sich das geistliche Zentrum mit der Verwaltung, einer Klinik und zwei Handwerkerschulen. In diesen Schulen werden während einer dreijährigen Lehre Schreiner und Automechaniker ausgebildet. In drei Aussengemeinden stehen weitere 60 Lehrplätze für Schreiner zur Verfügung.

Die Sekundarschule von Mbalezi wird ebenfalls von der Mbalezi Evangelistic Church betreut. Die Schule wurde erneut ausgebaut und kann heute 700 Schüler aufnehmen. Zur Zeit werden Schlafstätten für diejenigen Schüler errichtet, die weit entfernt von der Schule wohnen.

Die Mission führt auch ein Jugend- und Gemeindezentrum, das Konferenzräume, Gästezimmer und ein Restaurant enthält. Darin wurde auch ein Buchladen eingerichtet. Es heisst "Karibuni", was auf Deutsch so viel wie "Willkommen" bedeutet.

Im Laufe der Zeit konnte die Mission noch eine ca. 60 Hektaren grosse Farm erwerben. Sie liegt 15 km südlich der Missionsstation und enthält Äcker, viel Weideland und etwas Wald. Auf diesem Farmgelände wurde eine Bibelschule errichtet. Zur Zeit werden hier 25 Bibelschüler unterrichtet. Die Schülerzahl ist im Steigen begriffen.

Der Frauenarbeit im Zentrum und in den Dörfern wird viel Beachtung geschenkt. Neben christlicher Unterweisung und Andachten hören die Frauen Praxisbezogenes über Hygiene und Ernährung. Wer will, kann unter kundiger Anleitung nähen und sticken lernen.

Voll ausgelastet ist auch die Klinik. Am Morgen werden Kranke untersucht und medizinisch betreut, Wunden versorgt, Impfungen vorgenommen und was an ambulanten Behandlungen möglich ist. Die in der Missionsstation tätigen gelernten Krankenschwestern und Hebammen bilden auch medizinisches Hilfspersonal aus. Der Nachmittag ist Müttern und Kindern reserviert.

Geführt wird das gesamte Missionswerk vom "Grossen Komitee", dem acht Afrikaner und ein Schweizer Missionar angehören.

Gott hat das Missionswerk gesegnet. Viele Eingeborene fanden durch die unermüdliche Missionstätigkeit den Glauben an Jesus Christus. Die Mbalezi Evangelistic Church zählt mit ihren vielen Aussenstationen ca. 7000 Mitglieder.
Jedes Jahr werden Hunderte von Bibeln in der Landessprache Kiswaheli und verschiedenen Stammessprachen verkauft, Traktate abgegeben und gute christliche Bücher verbreitet.

Die Missionare kommen zum grösseren Teil aus unseren Gemeinden in der Schweiz und Deutschland. Das Werk unterhält enge Beziehungen zum Evangelischen Missionsdienst in Basel und Ludwigsburg. Die Mbalezi Evangelistic Church versteht sich als Partnerkirche zu den westeuropäischen Evangelischen Täufergemeinden.

c) Mission in Ghana - "Faith Evangelical Church"

Mitte 1967 besuchte Isaac Rex Noi aus Accra/Ghana (Westafrika) den Gottesdienst der Basler ETG-Gemeinde und fand dort Anschluss im Geschwisterkreis. Er war als gläubiger Christ nach Europa gekommen, um sich beruflich weiterzubilden. Bei diesem Aufenthalt bekam er den Ruf Gottes, Prediger zu werden und seinem Lande mit der Verkündigung des Evangeliums zu dienen.

Nach einem Jahr Arbeit als Hilfskraft im damaligen Bürgerspital Basel (heute Kantonsspital Basel) ging er zur Ausbildung an die Prairie Bible School in Three Hills (Provinz Alberta, Kanada). 1973 schloss er das Studium erfolgreich ab. In der Zwischenzeit hatte er bei unseren Gemeinden in Edmonton (Kanada) und Portland (USA) Eingang gefunden und war zu verschiedenen Diensten herangezogen worden.

Das Western Missionary Committee (Missionswerk der amerikanischen Täufergemeinden) sandte ihn zur Missionsarbeit nach Ghana. Isaac Rex Noi begann, zusammen mit einem Jugendfreund, mit der Haus-zu-Haus Evangelisation. Bald konnten sie eine Gemeinde gründen. Heute (1994) hat die Faith Evangelical Church über 5000 getaufte Gemeindeglieder in ca. 30 Gemeinden, die sich grösstenteils im Gebiet von Gross-Accra befinden, welches sich zunehmend zu einem bevölkerungsmässigen Ballungszentrum des Landes Ghana entwickelt.

Die Gesamtverantwortung liegt bei einem Team von vier Ältesten, zu dem auch Isaac gehört. Die Gemeinden werden in der Regel durch zwei Pastoren geleitet. Von Anfang an trat die Gemeinde stark nach aussen, mit Strassenversammlungen, Evangelisationsmärschen in Stadtvierteln und mit verschiedenen sozialen Hilfswerken. Isaac hielt die Gemeindeglieder immer an, von ihrem Wenigen an Arme zu geben. Mit der Hilfe von kanadischen Geschwistern gründeten sie eine Volksschule, die sich grosser Beliebtheit erfreut. Die Gemeinde betreibt eine "Klinik", die Kranken, sowohl Gemeindegliedern wie Aussenstehenden, Betreuung zu günstigen Bedingungen anbietet. Die Genossenschaft "HILFE" unterstützt die Klinik mit Medikamentenlieferungen aus der Schweiz. Der EMD Basel und Ludwigsburg leisten Beiträge an die evangelistische Tätigkeit der Mission.

Die Gemeinde in Ghana geht einen schweren Weg. Vor gut 10 Jahren geriet dieses einmal blühende Land in eine tiefe wirtschaftliche Krise, von der es sich bis heute nicht mehr erholt hat. Einige Jahre später wurde Ghana von einer Dürrekatastrophe heimgesucht. Eine Hungersnot folgte.

Die Regierung ist heute auf einem pro-islamischen Kurs und begegnet den christlichen Gemeinden mit deutlicher Reserve.

d) Mission in Papua Neu Guinea - "Tiliba Christian Church"

Neu Guinea ist eine riesige Insel, ein kleiner Kontinent, welcher dem Norden von Australien vorgelagert ist. Der östliche Teil nennt sich Papua New Guinea und ist ein eigener Staat, währenddem der westliche Teil zu Indonesien gehört.

Papua Neu Guinea umschliesst eine Landfläche von 462'000 km2. In diesem Land leben 2,9 Millionen Menschen, die in 1000 Stämmen 700 verschiedene Sprachen sprechen. Die Landessprache ist Pidgin Englisch. Die Hauptstadt ist Port Moresby.

Vic und Elsie Schlatter, die in den USA wohnten, wurden von Gott berufen, in Papua Neu Guinea als Missionare zu wirken. 1961 kamen sie mit ihren vier kleinen Kindern in die abgelegenen Berge von Papua Neu Guinea. Vic - von Beruf Chemiker - sah seine Aufgabe darin, die Bibel in eine Stammessprache zu übersetzen und auf dem Fundament des Wortes Gottes Gemeinden zu bauen. Seine Frau Elsie hatte schon seit vielen Jahren die Gewissheit, dass Gott sie dazu gebrauchen wollte, "das Wort denen zu bringen, die es noch nie gehört hatten".

In Papua Neu Guinea angekommen, trafen sie auf Eingeborene, die buchstäblich noch im Steinzeitalter lebten und gerade die ersten Kontakte mit der modernen Kultur des 20. Jahrhunderts erlebten. Für viele von ihnen waren die Fahrwerke des kleinen Flugzeugs, mit dem Vic Schlatter auf der holprigen Piste landete, die ersten Räder, die sie je gesehen hatten.

Nachdem Vic und Elsie Informationen von der Regierung und anderen Missionswerken zusammengetragen hatten, liessen sie sich im Stamm der WAOLA nieder und begannen sofort die Stammessprache zu lernen. So schnell wie möglich übersetzte Vic einzelne Bibelverse, und schon nach wenigen Monaten nahmen Häuptlinge aus der Umgebung diese übersetzten Verse in ihre Dörfer zurück, damit ihre Leute sie auswendig lernen konnten. Innerhalb von drei Jahren kamen 200 Eingeborene zum Glauben an Jesus Christus.

Gott hat den grossen Einsatz der Brüder und Schwestern, welche das Missionswerk durch finanzielle Mittel oder durch persönliche Hilfeleistungen unterstützten, reich gesegnet.

Zu Beginn des Jahres 1993 zählte man 65 Ortsgemeinden mit ca. 5000 Mitgliedern, 120 Lehrbrüdern und 24 Ältesten.

Seit Beginn der Tätigkeit war es ein Anliegen der Missionsarbeiter neben dem "geistlichen" Auftrag, sich auch für die Verbesserung des Gesundheitswesens und der Schulen einzusetzen.

Ein einfaches Spital wurde in Nipa eröffnet, welches lange Zeit vom Western Missionary Committee mitfinanziert wurde. Nachdem amerikanische und kanadische Krankenschwestern dort 15 Jahre gearbeitet hatten, wurde die Leitung vor wenigen Jahren an die Einheimischen abgegeben. Auch wurden in weiter entlegenen Gebieten einige kleine Ambulanzstationen eingerichtet, die heute von einheimischem Krankenpflegepersonal betreut werden. Die Säuglingssterblichkeit konnte durch eine systematische Schulung der Bevölkerung deutlich gesenkt werden.

Die Sprache, welche der Waola-Stamm spricht, nennt sich "Angal Heneng". Diese Sprache ist noch nie schriftlich festgehalten worden. Vic und Elsie erlernten die Stammessprache, entwickelten ein einfaches phonetisches Alphabet und begannen zum erstenmal in der Geschichte, diese Sprache aufzuschreiben.

Ein wirkungsvolles Alphabetisierungs-Programm wird nun durchgeführt, welches seit 1991 gemeinsam durch den EMD Basel und EMD Ludwigsburg mitfinanziert wird. Das Ziel des Programms: Jedem interessierten Mitglied des Waola-Stamms die Möglichkeit zu bieten, seine Muttersprache lesen und schreiben zu lernen. Die Eingeborenen sollten in die Lage versetzt werden, das von Vic in ihre Stammessprache übersetzte Neue Testament zu lesen. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben durch das Alphabetisierungs-Programm über 1000 Dorfbewohner gelernt, die Sprache Angal Heneng zu lesen und zu schreiben.

5. Die geistliche Betreuung der Jugend

Der Zweite Weltkrieg hatte einschneidende Änderungen im gesellschaftlichen Umfeld zur Folge. Die Moral sank durch den brutalen Krieg. Die Menschen wurden verunsichert und fragten, warum Gott diesen schrecklichen Krieg zugelassen hatte. Der christliche Glaube wurde von vielen in Frage gestellt.

Neue Weltanschauungen entstanden, die viele Anhänger fanden.

Der "Existenzialismus" verneinte jeden Sinn des Lebens. Der Mensch müsse mit der Tatsache fertig werden, dass das Leben keinen Sinn hat. Er müsse sich selber einen Sinn geben, nur so könne er das Leben ertragen.

Später waren es die Anschauungen der Neuen Linken, welche die Jugend faszinierte: "Der Mensch ist gut, die Gesellschaft aber ist schlecht. Die Gesellschaft muss verändert werden. Die Familie ist abzulehnen, diese unterdrückt die heranwachsenden Kinder. Überhaupt ist jede Autorität in Frage zu stellen. Die Sexualität soll frei ausgeübt werden." Höhepunkt dieser Bewegung waren die 1968er Jahre.

Zu Beginn der 80er Jahre breitete sich in Amerika und im Westen von Europa die Bewegung des New Age aus, welche stark von fernöstlichen Gedanken geprägt war: "Gott ist in uns, wir sind göttliche Wesen. Durch Meditation finden wir den Zugang ins Innere und damit den Zugang zu Gott".

Die neuen Weltanschauungen haben vor allem bei der Jugend Anklang gefunden. Die geistliche Betreuung der Jugend wurde zur Überlebensfrage unserer Gemeinden.

a) Biblischer Unterricht

Die Bedeutung des biblischen Unterrichts für Kinder und Jugendliche wurde schon im letzten Jahrhundert erkannt. Aus dem Jahre 1839 sind Regeln über die Sonntagsschule erhalten. 1843 wurde in Zürich der Beschluss gefasst, die Jugendlichen nicht mehr in den Konfirmandenunterricht der Landeskirche zu senden. Unsere Gemeinden mussten sich aber damals der Behörde gegenüber verpflichten, einen gleichwertigen Ersatz für unsere Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren einzurichten. Seit 1874, dem Inkrafttreten der revidierten Bundesverfassung, besteht dieser Zwang nicht mehr. Trotzdem ist diese Unterrichtsstufe bis heute in den meisten Gemeinden erhalten geblieben.

In grösseren Gemeinden wurde mit der Zeit die Sonntagsschule in Altersstufen aufgeteilt, um den Bedürfnissen der Kinder besser gerecht zu werden.

Kurz nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges befasste man sich auch an Ältesten- und Brüderversammlungen mit der Betreuung der Jugend.

An der Brüderversammlung vom 30. April 1946 in Zürich, an welcher 270 Teilnehmer anwesend waren, wurde ein besonderes Traktandum dem Sonntagsschulunterricht gewidmet.

Die Bedeutung eines auf der Bibel basierenden Kinder- und Jugendunterrichtes für die Beziehung der Kinder zu Gott wurde betont. Man war sich einig, dass die Geschwister, welche die Kinder unterrichten, sich der Kinder mit Liebe und Geduld annehmen sollten. So wie Jesus Christus die Kinder geliebt hat, sollen auch sie die Kinder lieben. Nur Brüder und Schwestern, welche Gott mit der Gabe für diesen Dienst ausgerüstet hat, sind einzusetzen. Der Unterricht der Kinder und Jugendlichen könne wirksam unterstützt werden, wenn die Eltern ihren Kindern durch ihren Wandel ein Vorbild seien. Auch die Gemeinde solle den Kinderunterricht durch Gebet unterstützen.

Im Jahr 1949 fand in der Schweiz die erste Zusammenkunft der Sonntagsschullehrer statt, an welcher Erfahrungen ausgetauscht wurden. Erst 1957 folgte die nächste Tagung.

Mit der Zeit wurden diese Zusammenkünfte jährlich durchgeführt. Man beschränkte sich an diesen Tagungen nicht nur auf den Erfahrungsaustausch, sondern bemühte sich, die Weiterbildung der Sonntagsschullehrer zu fördern.

1970 wurde das Sonntagsschullehrer-Komitee gegründet. Dieses organisiert seither die Zusammenkünfte der Sonntagsschullehrer.

b) Jugendgruppen

Sonntagsschule und "Unterricht" begleiten den Jugendlichen bis zum Ende der Schulpflicht. Für die meisten Schüler endet die obligatorische Schulpflicht mit dem 15. Altersjahr.

Von diesem Alter an waren die Jugendlichen in unseren Gemeinden in religiöser Erziehung sich selbst überlassen. Im Alter von 15 bis 20 Jahren sind die Jugendlichen infolge der Pubertät besonders kritisch und verletzlich. Sie stehen mitten im Ablösungsprozess von den Eltern. Die Anschauungen und religiösen Überzeugungen der Eltern werden kritisch beurteilt. Man sucht selbst nach einer eigenen Überzeugung. Der Kontakt mit Gleichaltrigen wird wichtig.

Jugendgruppen bildeten sich schon in den 50er Jahren, aber nicht immer mit Einwilligung der Gemeindeleitung. Anfänglich wurden vielerorts die Jugendgruppen als Sondergruppen betrachtet, welche die Einheit der Gemeinde bedrohen.

Heute sind sie zum festen Bestandteil der Gemeinde und des Gemeindelebens geworden. An manchen Orten helfen sie bei der Gottesdienstgestaltung mit.

Im April 1978 haben sich Verantwortliche der Jugendarbeit aus verschiedenen Gemeinden erstmals in der Lindenwiese zu einer Aussprache getroffen. In der Folge wurde das Jugendkomitee gegründet, welches regelmässige Treffen der Jugendgruppenleiter organisiert. An diesen Zusammenkünften werden Erfahrungen ausgetauscht und aktuelle Fragen der Jugendarbeit behandelt.

c) Jungschar und Teenagerclub

In den 80er Jahren haben sich in der Jugendarbeit weitere Zweige entwickelt.

In Jungscharen werden Kinder von ca. 6 - 12 Jahren durch gemeinsame Erlebnisse im Freien, in Spiel und Kameradschaft zu Gott hingeführt. Diese Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, den jungen Menschen ganzheitlich, nach Leib, Seele und Geist, zu erfassen und zu begleiten. In vielen Täufergemeinden ist diese Arbeit im Gemeindeleben integriert.

Als jüngstes Kind im Bereich Jugendarbeit gewinnt der Teenagerclub vermehrt an Bedeutung. Jugendliche im Alter von 13 - 16 Jahren durchleben eine stürmische Entwicklung. An die Leiter dieser Gruppen werden hohe Anforderungen gestellt. Sie haben die Jugendlichen auf einfühlsame Art zu begleiten, abwechslungsreiche Programme zu gestalten und vorsichtig zwischen Führen und Loslassen abzuwägen.

Die Gemeinden haben die Wichtigkeit dieser Aufgaben erkannt und unterstützen durch Kurse und Tagungen diesen Dienst.

Beide Arbeitszweige werden in der Schweiz vom BESJ (Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen) betreut, arbeiten jedoch gemeindebezogen.

d) Ferienlager

Ferienlager "CREDO" Im Jahre 1947 organisierten unsere Gemeinden in den USA das erste "Camp" in Lake Bloomington, Illinois. Henri Michel aus Schlieren war Mitinitiant dieser Neuerung. Seither führen die Gemeinden in den USA jährlich einige Camps durch. Sie werden von Interessierten aller Altersstufen besucht. Vor allem werden sie geschätzt, weil ganze Familien daran teilnehmen können.

Angeregt durch die guten Erfahrungen mit dem Camp in den USA brachte Henri Michel den Gedanken zur Schaffung von Ferienlagern in die Schweiz. Im Unterschied zu den U.S. Camps war hier jedoch das Bedürfnis nach Ferienlagern für Kinder und Jugendliche zu möglichst günstigen Preisen vorhanden.

Das erste Lager für Kinder und Jugendliche fand vom 6. - 13. August 1949 unter der Leitung von Hermann Woerlen, Schlieren, im "Knobelhaus" in Mühlehorn oberhalb des Walensees statt. 30 Personen nahmen am Lager teil.

Dieser erste Versuch war ein Erfolg. Die Zahl der Interessierten wuchs. So entschloss man sich, diese Ferienlager jeweils im Sommer durchzuführen. Allerdings war es schwierig, für die nun grosse Zahl von Teilnehmern - bis über 200 - geeignete Räume für einige Wochen im Sommer zu finden. Dank der finanziellen Hilfe einiger Geschwister konnten ganze Hotel gemietet werden, so unter anderem in Langwies, Engelberg, Davos und Leysin.

Schon ab dem zweiten Lager 1950 in Langwies stand fest, das die Institution "CREDO" heissen soll (lat. = "ich glaube" oder "Glaubensbekenntnis").

Die Gewinnung geeigneter Leiter war oft nicht leicht. Seit 1952 übernahmen Lucien und Gritli Mayor aus Nancy (Frankreich) die Leitung der Lagerwochen. Lucien starb im Oktober 1964, nachdem die Saison für dieses Jahr abgeschlossen war. Er hinterliess eine grosse Lücke, hat er es doch verstanden, die Jugendlichen auf eine zeitgemässe Art anzusprechen und viele zu Jesus zu führen. Seine Frau "Tante Gritli" übernahm die Verantwortung der Lager während den folgenden 7 Jahren.

Da es immer schwieriger wurde, jedes Jahr ein zweckmässiges Haus zu finden, wuchs der Wunsch nach einem eigenen Besitz. Unter der Führung Gottes gelang es, das Schlosshotel Unspunnen in Wilderswil, Berner Oberland, zu günstigen Bedingungen zu erwerben und dank grosszügigen Legaten zu finanzieren.

1961 wurde der "Verein Credo Schloss Unspunnen" gegründet. Der erste Vorstand setzte sich aus den Brüdern: Paul Geistlich, Albert Woerlen, Albert Märki, Ernst Brütsch und Lucien Mayor zusammen. An der Eröffnungsfeier des jetzt "CREDO" genannten Hauses im nächsten Jahr, betonten die Gründer, dass Kinder und Jugendliche aus allen Kreisen aufgenommen werden sollten, preisgünstig oder - wenn nötig - unentgeltlich. Nebst dem gesunden Urlaub in der Bergwelt werde den Teilnehmern vor allem das Evangelium von Jesus Christus auf unaufdringliche Weise angeboten.

Das über die Jahre mit vielen Spenden renovierte "Evangelische Ferienhaus CREDO" gehört heute zum Verband der Christlichen Hotels VCH und stellt seine Räumlichkeiten ausserhalb der Ferienzeit für Bibelwochen, Schulungen und Gemeindeanlässe zur Verfügung.

Evangelisches Freizeitheim "Lindenwiese" Die um 1870 in Billafingen (Deutschland) entstandene Evangelische Täufergemeinde erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg ein kontinuierliches Wachstum. 1960 wurde der "Verein Evangelisch Taufgesinnter" mit Sitz in Bambergen (Überlingen) gegründet. Die Gottesdienste wurden in Privathäusern abgehalten.

Wegen des weiteren Wachstums der Gemeinde erschien es den Mitgliedern Ende der sechziger Jahre notwendig, ein eigenes Versammlungshaus zu bauen. Es entstand der Gedanke, dieses geplante Versammlungshaus mit einem Freizeitheim zu verbinden, in welchem Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Ferien unter Gottes Wort ermöglicht werden sollte.

Edwin Bär, der dieses Projekt mit sehr viel Engagement vertrat und in verschiedenen Täufergemeinden vorstellte, fand vielerorts Zustimmung, so auch in der Gemeinde Zürich, wo sich Heinrich Kunz bereit erklärte, die gesamte Planung durchzuführen.

Da die Behörden die Baubewilligung anfänglich nicht erteilen wollten, schien es unmöglich, dass dieser Bau erstellt werden konnte. Edwin Bär hatte einen unerschütterlichen Glauben, dass Gott den Weg ebnen würde. So war es eine grosse Freude, als die Bewilligung zum Bau dieses Hauses in schöner, ländlicher Umgebung doch erteilt wurde. Das von Edwin Bär zur Verfügung gestellte Grundstück trägt den Flurnamen "Lindenwiese".

Im Juni 1970 erfolgte der erste Spatenstich, im November 1971 das Richtfest und am 13. August 1972 fand die Einweihungsfeier mit ca. 700 Festgästen statt. Viele Freiwillige aus unseren Gemeinden, aber auch aus nordamerikanischen Mennonitengemeinden erbrachten grosse Leistungen. Die finanzielle Last wurde von den evangelischen Täufergemeinden der Schweiz und Deutschland getragen.

Weil die Ortsgemeinde ständig wuchs und auch die Anzahl der Gäste zunahm, drängte sich Ende der 80er Jahre ein Erweiterungsbau der "Lindenwiese" auf.

Nach dem Motto, "wir bauen gemeinsam", wurde im März 1992 der erste Spatenstich vorgenommen, und im Herbst war Richtfest des Erweiterungsbaus. Der Um- und Ausbau konnte bis zur Einweihungsfeier am 20. Juni 1993 termingerecht fertiggestellt werden. Viele freiwillige Helfer haben zum guten Gelingen beigetragen.

Die neuen Gemeinderäume leisten nun einen wesentlichen Beitrag zur Entflechtung von Ortsgemeinde und Freizeitbetrieb. Die Cafeteria verleiht dem Haus eine besondere Atmosphäre. Sie wird von den Gästen und der Gemeinde sehr gut aufgenommen. Auch die übrigen Baumassnahmen tragen zu einem angenehmen Aufenthalt im Freizeitheim bei.

Das Haus dient als Ferienort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Daneben finden Konferenzen, Gemeindeanlässe und zahlreiche andere christliche Veranstaltungen statt.

6. Predigtdienst

Die biblische Botschaft wird in unserer Gemeinschaft grösstenteils durch Laien verkündigt. Unter Laien versteht man Prediger, die keine theologische Ausbildung durchlaufen haben; in den Evangelisch Taufgesinnten Gemeinden werden sie als "Lehrbrüder" bezeichnet. Der Predigtdienst wird, wie viele andere Dienste, nebenberuflich ausgeübt.

Der Auswahl qualifizierter Lehrbrüder wurde immer grosse Bedeutung zugemessen.

An der Tagung der Ältesten und Lehrbrüder vom 23. Februar 1957 wurde eingehend über den Predigtdienst diskutiert. Die Wortverkündigung dürfe nur Brüdern anvertraut werden, welche dafür begabt seien. Die Begabung allein genüge aber nicht. Wichtig sei die Stellung des Bruders vor dem Herrn. Demut und Liebe zum Herrn seien wichtig. Unermüdliches Forschen in der Schrift und ein inniges Gebetsleben seien Voraussetzungen, damit das Evangelium in der Kraft des Geistes verkündigt werden könne.

Um die Bedürfnisse der Zuhörer zu kennen, müsse der Lehrbruder auch zur Seelsorge bereit sein.

In den meisten Gemeinden werden Brüder, welche für diesen Dienst in Frage kommen, für einen gewissen Zeitraum provisorisch eingesetzt. Nach Ablauf des Provisoriums entscheidet die Gemeinde durch Abstimmung, ob die betreffenden Brüder definitiv für die Wortverkündigung eingesetzt werden sollen oder nicht.

1967 stellte das Evangelisationskomitee einen Austauschplan für die Lehrbrüder auf. Neben ihrem Dienst in der Heimatgemeinde werden sie in bescheidenem Rahmen verpflichtet, in anderen Gemeinden unserer Denomination zu predigen. Der Lehrbrüderaustausch hat von jeher stattgefunden; er wurde aber von nun an planmässig durchgeführt.

Die Frage der Weiterbildung der Lehrbrüder ist in den Anfängen unserer Denomination ein immer wiederkehrendes Thema. Schon im Jahre 1839 kamen jeweils die Lehrbrüder am ersten Montag des Monats im "Rohr" (in der Nähe von Rümlang/ZH) zusammen, um Fragen im Zusammenhang mit der Wortverkündigung zu besprechen.

Der Schritt zu einer spezifischen Ausbildung der Lehrbrüder, wie es der Gründer unserer Gemeinschaft angeregt hatte, wurde leider nicht gewagt. In der Folgezeit beschränkte man sich auf den Erfahrungsaustausch.

An der Zusammenkunft der Lehrbrüder im Jahr 1957 wurde nun der Wunsch nach einer bescheidenen Ausbildung geäussert.

In verschiedenen Gemeinden wurden Versuche unternommen, die Lehrbrüder durch Kurse zu fördern.

Erst der Bund (vergl. Kapitel 7) schuf systematisch aufgebaute Weiterbildungskurse, die auf die besondere Situation der berufstätigen Laien Rücksicht nehmen.

Sollen wir überhaupt am Laienpredigertum festhalten?

An der Ältestentagung vom 3. November 1984 äusserte ein Bruder wegleitende Gedanken zum Laienpredigertum. Er formulierte dazu zwei wichtige Grundsätze:

  1. Wenn wir der Bibel und unserem täuferischen Erbe treu bleiben wollen, müssen wir am Laienpredigertum festhalten.
  2. Wenn wir in unserer Kultur eine lebendige und missionarische Gemeinde sein wollen, brauchen wir für unsere Lehrbrüder dringend biblisch-theologische Ausbildung.

Der Lehrbruder braucht ein klares Selbstverständnis. Er ist nicht der allwissende Spezialist, der auf alle Fragen der Lehre und des Lebens immer die richtige Antwort hat. Er ist ein Bruder unter Brüdern, der gemäss seiner Gabe zusammen mit anderen einen Dienst in der Gemeinde erfüllt.

Brauchen unsere Gemeinden neben den Lehrbrüdern noch Theologen, also Mitarbeiter mit einer vollen theologischen Ausbildung, welche die alten Sprachen beherrschen, Einblick in die Kirchengeschichte haben und theologische Probleme in ihrem weiteren Umfeld differenziert analysieren können?

Ja! Ihre Aufgabe ist aber nicht nur der Predigtdienst; sie sollten für die Schulung der Lehrbrüder, der Sonntagsschullehrerinnen und -lehrer und der Jugendleiterinnen und -leiter eingesetzt werden. Als Theologen könnten sie die Ortsgemeinden in besonderen Fragen beraten und am Aufbau neuer Gemeinden behilflich sein.

7. Bund der Evangelischen Täufergemeinden (ETG)

Unsere Gemeinden besassen bis zur Gründung des Bundes kein übergeordnetes Organ. Wohl trafen sich die Ältesten der westeuropäischen Gemeinden in periodischen Abständen, um wichtige Anliegen zu besprechen. Ein Ausschuss der Ältesten besorgte die Vorbereitung dieser Konferenzen und war für das Protokoll verantwortlich.

Da die Aufgaben in unseren Gemeinden immer zahlreicher wurden, erkannte man die Notwendigkeit, ein übergeordnetes Organ zu schaffen, welches die Gemeinden unterstützen könnte.

Dieses Organ sollte auch für die Vertretung unserer Gemeinden nach aussen zuständig sein. Durch dieses Organ könnten ebenso die verschiedenen Institutionen unserer Gemeinden, wie "CREDO", Evangelischer Missionsdienst, "HILFE" usw., wie auch die in den letzten Jahren gebildeten Komitees, besser koordiniert werden.

An der Zusammenkunft der Ältesten vom 10. März 1984 in Bern, wurde beschlossen, den "Bund der Evangelischen Täufergemeinden" zu gründen. Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 1. Juni 1985 in Zürich statt.

Mitglieder des Bundes können alle europäischen Ortsgemeinden der ETG sein.

Die Organe des Bundes (Rechtsform Verein) sind die Bundeskonferenz, die Bundesleitung und die Kontrollstelle.

Die Bundeskonferenz setzt sich aus den Ältesten, den Delegierten der Einzelgemeinden und den Vertretern der Institutionen zusammen. An der jährlich mindestens einmal stattfindenden Bundeskonferenz werden nebst den statutarischen Geschäften (Jahresbericht, Rechnungsabnahme, Krediterteilung, Wahlen) jeweils auch aktuelle, die Gemeinden betreffende Themen behandelt.

Die Bundeskonferenz wählt aus ihrer Mitte 8 bis 12 Brüder in die Bundesleitung. Mindestens die Hälfte der Mitglieder sollen Älteste sein. Die an der Gründungsversammlung gewählten Mitglieder der Bundesleitung bestimmten Hans Bräker zu ihrem Präsidenten.

Die Bundesleitung vertritt den Bund nach aussen. Sie soll zudem die Ortsgemeinden fördern. Eine wichtige Aufgabe ist die Weiterbildung von Ältesten, Lehrbrüdern, Sonntagsschullehrerinnen und -lehrern sowie Jugendleiterinnen und -leitern. Sie soll Mithilfe leisten bei der Gründung von neuen Lokalgemeinden. Auch Evangelisation und Mission ist ihr wichtig.

Ein teilzeitlich geführtes Sekretariat steht der Bundesleitung zur Verfügung.

Die vielfältigen Aufgaben der Bundesleitung konnten bald nicht mehr nebenamtlich erledigt werden. Ein vollzeitlich angestellter Mitarbeiter mit gründlicher theologischer Ausbildung wurde benötigt. An der Bundeskonferenz vom 20. Juni 1987 in Bern wurde die Schaffung einer entsprechenden Stelle beschlossen.

Seither nahmen die Aufgaben ständig zu, so dass auch der Mitarbeiterstab erweitert werden musste.

Der Gemeindebau ist zum grossen Anliegen geworden. Unsere Denomination hat gesamthaft gesehen ein relativ kleines Wachstum erlebt. Wohl konnten einzelne Gemeinden in den letzten Jahrzehnten einen erfreulichen Zuwachs verzeichnen, wofür wir Gott sehr dankbar sind. So haben nahezu alle Gemeinden ihre Versammlungshäuser neu gebaut oder wesentlich erweitert.

Andererseits hat die Zahl der Gemeinden abgenommen. Kleinere Gemeinden und Stubenversammlungen mussten geschlossen werden. Solche Zellen sind jedoch äusserst wichtig. Die meisten Gemeinden haben einmal mit Hauskreisen und Kleinversammlungen begonnen.

Der Inlandmission, einem Arbeitszweig des Bundes, wurde die Aufgabe übertragen, die Gründung und den Bau von Gemeinden zu fördern, um so den Menschen an ihrem Wohnort das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen.

8. Die heutigen Strukturen der ETG

Aus den anfänglich einfachen Strukturen unserer Denomination ist ein verzweigtes Netz geworden. Seit 1950 ist eine ganze Anzahl eigenständiger Werke entstanden, die heute mit dem Bund ETG koordiniert sind. Nachfolgend eine Zusammenfassung (stichwortartig):

Bund der Evangelischen Täufergemeinden, gegründet 1985
Der Bund umfasst 22 Gemeinden in der Schweiz
10 Gemeinden in Deutschland
3 Gemeinden in Frankreich
Mitgliederzahl: ca. 2500

Seit 1990 Mitglied des Verbandes der evangelischen Freikirchen und Gemeinschaften in der Schweiz (VFG).

Genossenschaft "HILFE", gegründet 1921 karitatives-soziales Hilfswerk, die Umwandlung in eine Stiftung ist vorgesehen, Jahresversammlung ist offen für alle Interessierten, in den USA parallele Organisation mit Namen "AID"

Evangelischer Missionsdienst, "EMD", gegründet 1955 fördert die Mission weltweit, Verein, Vorstand setzt sich zusammen aus regionalen Gemeindevertretern, die Jahresversammlung ist offen für alle Interessierten, seit 1991 ein angestellter Sekretär, finanziell und persönlich werden rund 100 Missionare (ganz oder teilweise) unterstützt

"CREDO" Evangelisches Jugendlager, Verein gegründet 1961 Verein, unterhält in Wilderswil (Schweiz) ein Ferienheim

Evangelisches Freizeitheim "Lindenwiese", gegründet 1972 Verein, unterhält in Überlingen-Bambergen (Deutschland) ein Freizeitheim

Inlandmission von der Bundeskonferenz gewählte Kommission des Bundes ETG zur Förderung von Gemeindebau und Gemeindewachstum, finanziell dem Bund ETG angeschlossen, bietet Tagungen, Kurse, Vorträge und Mithilfe bei Gemeindegründungen an

Sonntagsschullehrerkomitee finanziell eigenständiges Komitee, fördert den Kontakt unter den Sonntagsschullehrerinnen und -lehrern, vermittelt Unterrichtsstoff, organisiert Fortbildungskurse

Jugendkomitee (JUKO) finanziell eigenständiges Komitee innerhalb des Bundes ETG, fördert die Jugendarbeit, bietet den Jugendgruppen Beratung und Weiterbildung an, organisiert Jugendtagungen zu ausgewählten Themen, spezielle Kommission für Teenagerarbeit
Teenagerclubs und Jungscharen sind in der Regel dem "Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen" (BESJ) angeschlossen.

Bibelschülerkomitee, gegründet März 1981 von der Bundesleitung gewählte Kommission mit folgenden Aufgaben:

  • Beratung der Interessenten und Absolventen von Bibelschulen,
  • Begleitung von vollzeitlichen Mitarbeitern in den Gemeinden,
  • Organisation von entsprechenden Tagungen

Verlagskommission
von der Bundesleitung gewählte Kommission mit folgenden Aufgaben:

  • Herausgabe des "Freuet Euch INFO"
  • Herausgabe von Schriften, Broschüren, Prospekten des Bundes
  • Herausgabe der gemeindeeigenen Gesangsbücher.

Der Verlag führt eine eigene Rechnung, welche von der Bundeskonferenz abgenommen wird.

Kommission für Weiterbildung
von der Bundesleitung gewählte Kommission mit folgenden Aufgaben:

  • Durchführung von Weiterbildungskursen (Textauslegung und Verkündigung, Seelsorge, Gemeindeleitung),
  • Organisation von Tagungen für Laienprediger und Älteste
  • Begleitung eines Fernstudienprogramms (Gemeindebibelschule)
  • Herausgabe von einen Studienheft "Bibelstudium an der Basis" (für Hauskreise oder Gemeindebibelstunden) pro Jahr


Im weiteren finden jährlich Ältestentagungen statt. Diese dienen sowohl der Gemeinschaftspflege, wie auch der Erarbeitung von theologischen Fragen und weiteren Aufgaben wie Seelsorge, Gemeindeleitung und Stellungnahme zu ethischen Fragen.
Um aktuelle Themen aufzuarbeiten, setzt die Bundesleitung jeweils entsprechende Arbeitsgruppen ein.

Die 5 Alters- und Pflegeheime und eine Alterssiedlung bilden eigene Körperschaften, sind jedoch den örtlichen Gemeinden angegliedert.

Wenn heute auch eine dichte Vernetzung der Aufgabenbereiche vorhanden ist und verschiedene

übergemeindliche Dienste geschaffen wurden, hat der Gemeindeverband dennoch einen föderativen Charakter behalten. Vielleicht mehr als früher haben die Gemeinden eine starke Eigenständigkeit entwickelt. Eine zentrale Führungsstruktur entspricht weniger dem biblischen Leitbild. Und trotzdem ist es notwendig, die Gemeinsamkeit zu fördern und Aufgaben, welche die Kräfte einer Einzelgemeinde übersteigen, gemeinsam anzugehen.

 

9. Tradition und Wandlung

Wie bereits in den vorangegangenen Kapiteln aufgezeigt, hat die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter (heute die Evangelischen Täufergemeinden) im Laufe ihrer Geschichte Wandlungen erfahren.

Das Umfeld unserer Gemeinden hat sich ebenfalls verändert. Entsprechende Anpassungen waren notwendig, damit unsere Gemeinden die Menschen im gewandelten Umfeld mit der Botschaft des Evangeliums erreichen konnten.

Oft standen Traditionen der notwendigen Veränderung im Wege. Was ist Tradition und was ist unveränderliche biblische Wahrheit? Diese Frage wurde oft gestellt. Es war bestimmt zu jeder Zeit das Anliegen von gläubigen Männern und Frauen, dass Gott unsere Gemeinden nach seinem Willen führen möge. Der Glaube darf auf Gottes Führung und seine Zusagen vertrauen und sich ebenso auf Beweise göttlichen Handelns in der Vergangenheit stützen.

Absonderung und Abgrenzung

Zur Zeit der Entstehung der Evangelisch Taufgesinnten Gemeinden im letzten Jahrhundert hatte die Staatskirche einen viel grösseren Einfluss in der Gesellschaft als heute. Christen, die in ihrer Erkenntnis nicht in allen Dingen der offiziellen Lehrmeinung entsprachen, wurden bald einmal als Ketzer bezeichnet und verfolgt. Das führte zur Absonderung. In den Anfängen unserer Gemeinschaft dienten demzufolge oft abgelegene Gehöfte und Häuser als Versammlungsorte.

Fester Zusammenhalt unter den Geschwistern

Die erwähnte Abgrenzung bewirkte eine enge Verbindung unter den Geschwistern. Gegenseitige Anteilnahme und Fürsorge waren selbstverständlich. So hat sich innerhalb unserer Gemeinden eine starke soziale Tätigkeit entwickelt.

Witwen und Waisen, Kranke und sozial Benachteiligte wurden unterstützt. Das war umso notwendiger, weil die staatlichen Sozialhilfen in der damaligen Zeit ungenügend waren; eine AHV zum Beispiel kannte man nicht.

Durch den Bau von gemeindeeigenen Altersheimen (Au/ZH 1893, Bern 1909/1924, Pfäffikon/ZH 1910, Stäfa/ZH 1932, Neuhütten/D 1957) fanden ältere und behinderte Mitmenschen einen Ort der Geborgenheit. Heute sind diese Häuser den modernen Anforderungen entsprechend renoviert und teilweise durch eine Pflegeabteilung ergänzt worden. Ebenso entsprach der Raum von preisgünstigen Alterswohnungen einem grossen Bedürfnis.

Öffnung gegenüber Kirchen und anderen Gemeinschaften

Im Laufe der Zeit haben sich unsere Gemeinden gegenüber Kirchen und Gemeinschaften geöffnet. Statt Konfrontation suchen wir vermehrt die gegenseitige Verständigung. Evangelistische und soziale Tätigkeiten werden in Zusammenarbeit mit gläubigen Christen anderer Denominationen immer häufiger gepflegt.

Politische Ämter

Hatten früher Mitglieder unserer Gemeinden Hemmungen, politische Ämter zu bekleiden, so ist man heute der Ansicht, dass die Mitarbeit in öffentlichen Diensten und politischen Ämtern notwendig sei, um auch hier christliches Gedankengut einzubringen.

Ausgebaute Gemeindestrukturen

Während früher nur lose, einfache Strukturen bestanden, sind wir vermehrt zur organisierten Gemeinde geworden.

Dieser Strukturwandel ist notwendig geworden durch die erweiterten Aufgabenbereiche in Jugendarbeit, Mission und Evangelisation. Auch an die Gemeindeleitung und an die Gottesdienstgestaltung werden höhere Ansprüche gestellt.

Liedergut

Unser Liederbuch, die "Zionsharfe", ist zwischen 1828 und 1854 entstanden und später ins Ungarische, Serbische, Rumänische und Englische übersetzt worden. In 12 Auflagen erfuhr sie nur geringe Veränderungen. 1974, also nach 120 Jahren ihrer Entstehung, wurde sie revidiert. Selten gesungene Lieder wurden ausgeschieden und neue Lieder aufgenommen. Man glaubte, mit dieser Revision den gewandelten Bedürfnissen gerecht geworden zu sein.

Heute werden jedoch in den meisten Gemeinden neben der Zionsharfe noch zusätzliche Liederbücher benützt, die vor allem die Anbetung und den Lobpreis Gottes in den Mittelpunkt stellen und mit ihren neuen, frischen Melodien Anklang finden.

Das "Lange Heftli", ein weiteres traditionelles Liederbuch der ETG, scheint heute wieder neu entdeckt zu werden. Eine Neuauflage drängte sich vor einigen Jahren auf.

Dem Gesang wurde von jeher in unseren Gemeinden grosse Beachtung geschenkt. Er verbindet und belebt und dient der gemeinsamen Anbetung Gottes.

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